Vorstellung erster Projektergebnisse

Gemeinsam haben die Projektpartner an den ersten länderspezifischen Projektergebnissen gearbeitet.
Aufgabe ist es, eine Übersicht zu Berufsberatungs- und Entwicklungsdienstleistungen für Geringqualifizierte, einschließlich Leitfäden für Personalverantwortliche und weiteren möglichen Multiplikatoren zu erarbeiten bzw. weitere Inhalte zu entwickeln. Im Folgenden sind erste Zwischenergebnisse aufgeführt. Jedes Partnerland hat sich dazu auf eine Branche konzentriert und mithilfe der PESTEL-Methode näher beleuchtet.

Die PESTEL-Analyse der italienischen Partner hatte die Handwerksbranche “Fensterbau” zum Schwerpunkt. Mithilfe der PESTEL-Ergebnisse wurden für die Branche Entwicklungsszenarien entwickelt, die sich auf drei Zeitfenster in der Zukunft beziehen. Ausgehend von diesen Szenarien erarbeiteten die Projektpartner „Roscioli Development“ und „Ilmiolavoro srl“ gemeinsam mit mittelständischen Branchenunternehmen des Unternehmerverbandes „CNA Abruzzen“ eine sogenannte “Skills Roadmap”. Die ermittelten Qualifikationsanforderungen beziehen sich dabei zum Teil auf neue Technologien und zum Teil auf die Qualität des Kundenservices. Anschließend wurden die Ergebnisse der drei Entwicklungsszenarien mit dem aktuellen Status Quo der Geringqualifizierten verglichen. Als Ergebnis kam heraus, dass die Geringqualifizierten sich einem möglichen Arbeitsplatzverlust nicht bewusst sind. Sie sind bereit, sich “ins Spiel zu bringen”, wenn sie dadurch wirtschaftliche Vorteile erhalten. Arbeitgeber, Personalverantwortliche und Experten haben daher eine pessimistischere Sicht als die Geringqualifizierten selbst, den Wandel in der Arbeitswelt adäquat zu meistern.

Die tschechischen Partner haben sich in ihrer PESTEL-Analyse auf die Automobilbranche konzentriert. Ein Ergebnis ist, dass die Gefahr von Arbeitsplatzverlust für gering qualifizierte Beschäftigte, je nach Tätigkeit und Branchenzweig unterschiedlich ist. Elektromobilität und änderndes Verbraucherverhalten schaffen Möglichkeiten zur Differenzierung für Hersteller und Zulieferer gleichermaßen. Industrie 4.0 (Digitalisierung und Robotisierung) ist dabei eine Chance, die die gesamte Branche revolutionieren kann und damit direkt die Arbeitstätigkeiten Geringqualifizierter betrifft.
Die Arbeitslosenstatistik in Tschechien zeigt, dass die Situation auf dem Arbeitsmarkt stabil ist und die Nachfrage nach offenen Stellen für Geringqualifizierte steigt. Die gering qualifizierten Arbeitskräfte sehen daher kein Risiko, ihren Arbeitsplatz zu verlieren, da die Nachfrage das Angebot an Arbeitsplätzen übersteigt und die aktuellen Arbeitsbedingungen in der Wirtschaft gut sind.
Die gering qualifizierten Beschäftigten sind sich ihrer Fähigkeiten bewusst, aber leider nicht der Fähigkeiten, die für die Unternehmen notwendig sind und sich in den nächsten 5 Jahren ändern werden. Obwohl sie wissen, welche Tätigkeiten und Qualifikationen in der Branche gefragt sind, sind sie mit ihren derzeitigen Arbeitsplätzen zufrieden und sehen keinen konkreten Handlungsbedarf.
Personalverantwortliche und Experten sind sich einig, dass die Arbeitsbelastung (körperliche und psychische) für Geringqualifizierte verbessert werden sollte, was die Beschäftigten im Übrigen ebenso sehen. Gleichzeitig sind sie jedoch auch der Meinung, dass sich die persönliche Einstellung zu Themen wie Veränderungsbereitschaft und Eigeninitiative bei den Beschäftigten selbst ändern muss.

Schwerpunkt der deutschen PESTEL-Analyse war die Tourismusbranche. Insbesondere für das Bundesland Mecklenburg-Vorpommern stellt die Branche einen wichtigen Wirtschaftszweig dar. So arbeiten rund 18% aller Erwerbstätigen in MV in den Bereichen Gastronomie, Hotel und weiteren Anbietern touristischer Angebote.
Aufgrund der Corona-Pandemie und den langen Schließungen von fast sieben Monaten ist die Situation für klein- und mittelständische Unternehmen sehr angespannt. Neben finanziellen Nöten ist das Fachkräfteproblem die größte Herausforderung. Bereits vor Corona war dies ein großes Problem. Viele Ausbildungsplätze und Stellen – insbesondere im ländlichen Raum – blieben unbesetzt. In den vergangenen Monaten sind des Weiteren viele Fachkräfte aufgrund der vielen Unsicherheiten in andere Branchen abgewandert bzw. planen dies. So hat nach Brancheninfo bisher jeder zehnte Fachkraft die Tourismusbranche dauerhaft verlassen.
Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die Sorge den Arbeitsplatz zu verlieren aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Lage vorhanden ist. Dennoch ist die Gewissheit groß, zu anderen Arbeitgebern in der Region wechseln zu können. Beschäftigte als auch Arbeitgeber und Experten sind sich einig, dass sich durch Digitalisierung und Nachhaltigkeit, Angebote und Dienstleistungen im Tourismusbereich verändern werden. Der Arbeitsplatz ist per se aber nicht in Gefahr. Die Entwicklungen bieten viel mehr die Möglichkeit, sich auf wesentliche Kernaufgaben wie Kundenbetreuung, Servicequalität etc. zu konzentrieren.